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Mannheim Maimarktgelände

Moderner Hausbau im Zeitraffer

Das Deutsche Fertighaus Center Mannheim feiert 50. Geburtstag mit vielen Sonderaktionen

Morgens das Erdgeschoss, mittags die erste Etage, und am Abend hat der Rohbau bereits ein Dach: Rom ist bekanntlich nicht an einem Tag erbaut worden, wie das Sprichwort sagt – Fertighäuser jedoch schon! Da kann die Außenhaut tatsächlich bereits nach einem oder zwei Tagen stehen. Das beflügelt den Wunsch vieler Menschen nach den eigenen vier Wänden. Seit 1970 gibt es das Deutsche Fertighaus Center in Mannheim, das jährlich von rund 100.000 Menschen besucht wird. Jetzt feiert die Ausstellung, die seit 1985 am Maimarktgelände gelegen ist, ein halbes Jahrhundert Erfahrung in zeitgemäßem Bauen.

Ein Bauernhof aus dem Baukasten

Alles beginnt mit einem zweistöckigen Holzhaus mit Garage aus Fertigteilen, das ein polnischer Anbieter 1962 auf dem Mannheimer Maimarkt vorstellt. Es kostet 10.000 Mark und ist ein echter Renner. Günstiger Preis und schnelle Bauzeit lassen potenzielle Bauherren aufhorchen. Ein Jahr später macht ein kompletter Bauernhof in Fertigbauweise Furore: Das Wohnhaus mit Altenteil und Stallscheune soll zeigen, wie rasch ein Vollmontagehof schlüsselfertig zum Preis von 137.000 Mark zu erstellen ist. Der Grundriss beträgt 10 x 20 Meter, die Bauzeit inklusive Inneneinrichtungen nur drei Wochen. Sogar die Fundamente bestehen aus Fertigteilen, die lediglich eingesenkt und verbunden werden müssen. Entwickelt wurde der Vollmontagehof von der Gesellschaft für innere Kolonisation (GFK) gemeinsam mit dem Offenburger Spannbetonwerk Koch. Mit den schnell zu erstellenden Aussiedlerhöfen soll ein wesentlicher Beitrag zur Agrarstrukturverbesserung geleistet werden, da das Bauhandwerk damals nicht in der Lage ist, das rapide wachsende Bauvolumen in der Landwirtschaft zu bewältigen. Der auf dem Maimarkt gezeigte Prototyp wird bald darauf in Serie hergestellt.

Der Fertigbau beginnt zu boomen. Rund um den Aussiedlerhof werden Einfamilienhäuser und Bungalows in Fertigbauweise gezeigt. Grundsätzliche Fragen des Fertigbaus wie Fertigbausysteme, Werksverfertigung, Baustoffe, Montage und architektonische Gestaltung erläutert die Sonderschau „Bauen mit Fertigteilen“ der Studiengemeinschaft „Fertigbau“ im Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW). Dicke Auftragsbücher bei den drei Fertighaus-Ausstellern des Maimarkts 1963 legen den Gedanken an eine ständige Fertighaus-Ausstellung nahe. Auf dem Maimarkt 1965 beleuchtet eine Lehrschau des Zimmererhandwerks die Aspekte des Holzfertigbaus von anderer Seite. In diesem Jahr fällt der Entschluss, in Zukunft die Fertighäuser auch nach Ende des Maimarkts stehen zu lassen, um sie ganzjährig Interessenten zugänglich zu machen.

In den 1960er Jahren sind es vor allem Wochenend- und Ferienhäuser, die nun dank der Fertigbauweise für viele erschwinglich werden. 1966 entsteht im Ostteil des Maimarktgeländes am Friedensplatz ein „Wohnviertel“ in Fertigbauweise. Das Angebot reicht von der Fertigbau-Garage bis zum 230 Quadratmeter großen Wohnhaus. 1970 gibt die Stadt Mannheim grünes Licht zur Erweiterung der Ausstellungsfläche: Das Deutsche Fertighaus Center Mannheim ist geboren. Am 10. April 1975 wird es nun auch offiziell eröffnet. Auf 30.000 m2 Fläche präsentieren 23 Hersteller 34 Ein- und Zweifamilienhäuser. Weitere 22 Aussteller zeigen rund 30 Wochenend- und Ferienhäuser, 8 Mobilheime, Schwimmbäder und -hallen, Fertigkeller und -garagen sowie Gartenzubehör. Bis heute rangiert das Deutsche Fertighaus Center Mannheim in der Spitzengruppe der größten und erfolgreichsten Fertighaus-Ausstellungen in Deutschland.

Keine Erfindung des 20. Jahrhunderts

Bereits um das Jahr 1500 entwarf Leonardo da Vinci ein Haus aus Holzteilen, die bereits vor dem Transport zur Baustelle bearbeitet wurden. Doch auch das italienische Universalgenie war nicht der Erste, der sich im Fertigbau versuchte. Wenn die alten Griechen aus ihren Kolonien heimkehrten, hatten sie nicht selten Wandelemente für ihre Tempel im Gepäck. Die Fachwerkhäuser des 12. Jahrhunderts standen Pate für den noch heute üblichen Holzfertigbau. Norwegische Stabkirchen des 18. Jahrhunderts bestanden aus Fertigteilen, und die schwedischen Blockhäuser konnten abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Das deutsche Militär begann 1870 mit den ersten Fertig-Lazaretten. Die Einwanderer in Amerika bauten sich schon bald Holzhäuser aus vorgefertigten Teilen. Zur Zeit des Goldrauschs um 1900 kam die erste Serienproduktion in Gang, ab etwa 1940 konnte man in den USA Fertighäuser aus dem Katalog bestellen. Erleichtert wurde die industrielle Fertigung durch die in den zwanziger und dreißiger Jahren frisch entwickelte Spanplatte. Zahlreiche Unternehmen entstanden. Noch heute gibt es viele Fertigbau-Unternehmen, deren Tradition auf Zimmerei-Betriebe zurückgeht – nicht selten bis ins 17. oder 18. Jahrhundert.

Individuelle Traumhäuser

Unmittelbar nach dem Maimarkt 1984 beginnt der Umzug auf das neue Maimarktgelände auf dem Mühlfeld in Mannheim-Neuostheim. Besonderer Wert wird hier auf das gesamte äußere Erscheinungsbild des Fertighaus Centers gelegt: Die Häuser werden großzügig um eine Grünfläche herum angeordnet, die Gärten von Landschaftsarchitekten entworfen. Nichts erinnert mehr an die Spanplatten-Ära der Anfangszeit. Denn Fertighäuser sind inzwischen keinesfalls „Häuser von der Stange“, wie manche vermuten, sondern individuell gestaltete Wunschhäuser in modernem Design, die sich passend zum Grundstück und zu den örtlichen Bauvorschriften planen lassen. Denn „fertig“ bedeutet: Die Wände werden mit sämtlichen Leitungen passgenau im Werk gefertigt und danach auf dem Grundstück montiert – entweder auf einen Keller oder eine Bodenplatte. Manche Hersteller sind stolz darauf, keine zwei identischen Häuser errichtet zu haben. Im Fertighaus Center findet man viele Stile zwischen Holzblockhaus und Stadtvilla, Bungalow und Mehrgenerationenhaus.

Wohnen wie die Stars

Begehbare Kleiderschränke, Ensuite-Bäder mit Sauna, Terrassen mit Swimming-Pool – was man in Film und Fernsehen sieht, ist auch im eigenen Haus möglich! Viele Bauherren „sparen“ an Innenwänden und schaffen sich so großzügige Wohn-Ess-Bereiche mit Küche und Bar, die von großen Glasflächen oder Wintergärten begrenzt werden. Nach den verspielten Häusern der 1990er Jahre mit Erkern, Gauben und bisweilen sogar „Türmchen“ geht der Trend nach der Jahrtausendwende in Richtung Bauhaus mit klaren, rechteckigen Formen und Flach- und Pultdächern. Natürlich sind auch Doppel- und Reihenhäuser im Fertigbau möglich. Baugrund ist rar, daher stoßen Musterhäuser für kleine Grundstücke auf große Resonanz. Aufsehen erregt im Jahr 2012 ein komplett eingerichteter Zwei-Zimmer-Container mit Bad und Kochecke, der auf dem Tieflader kommt und vor den Augen der Presse auf die Bodenplatte montiert und angeschlossen wird. Das Modul ist vielseitig verwendbar – als Wellnessbereich, Gäste-Appartement, Büro oder Kosmetikstudio – und kann auch beliebig kombiniert werden, etwa zu einer Seniorenresidenz.

Energieeffizient und nachhaltig

Nicht nur das moderne, individuelle Wohndesign gefällt den Bauherren – auch in Sachen Energieeffizienz haben Fertighäuser seit jeher die Nase vorn. Diffusionsoffene Wände mit Dämmung, kontrollierte Heizungs-Lüftungs-Systeme, Erdwärme und Solarenergie erfüllen mehr als die Standards immer neuer Energieeinsparverordnungen. Es gibt Niedrigenergiehäuser, Passivhäuser und sogar Plus-Energie-Häuser, bei denen aufgrund von Solarkollektoren unterm Strich mehr Energie erzeugt als verbraucht wird. Für die KfW-Förderungen interessieren sich nicht nur junge Baufamilien, sondern auch die Baugeneration 50+, die sich ein bequemes Zuhause für die zweite Lebenshälfte schaffen will und ebenerdige Bungalows bevorzugt. Zur barrierefreien Planung gehört der Platz, an dem später ein Aufzug eingebaut werden kann. Jedes Jahr werden im Deutschen Fertighaus Center Mannheim einige Musterhäuser durch aktuelle Modelle ausgetauscht, in denen die neueste Technik wie zum Beispiel Smart Home demonstriert werden kann. Immer mehr Wert gelegt wird auf nachhaltiges Bauen, dessen Kriterien unter anderem Materialien, Arbeitsweisen und Recycling-Fähigkeit umfassen.

Das ganze Jahr über besichtigen Bauinteressierte die „begehbaren Baupläne“ im Herzen der Metropolregion Rhein-Neckar, in der rund 3 Millionen Menschen leben. Sie kommen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg nach Mannheim – aus den Bundesländern mit dem höchsten Marktanteil der im Fertigbau errichteten Ein- und Zweifamilienhäuser. Spitzenreiter ist laut Bundesverband Deutscher Fertigbau e. V. (BDF) Baden-Württemberg mit 33 Prozent, gefolgt von Hessen und Rheinland-Pfalz mit 29 Prozent und 25 Prozent.