Über 40 Musterhäuser auf 30.000 m2
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Vom Baukasten-Bauernhof zur Luxus-Stadtvilla

Die 40-jährige Geschichte des Deutschen Fertighaus Centers Mannheim ist auch eine Geschichte modernen Bauens und gewachsenen Energiebewusstseins

Die jungen Eltern lächeln einander verliebt an. Das moderne Haus, das sie gerade besichtigen, kommt ihrem Traum von der Zukunft schon sehr nahe. Ein Extra-Wintergarten wäre schön, ein Arbeitszimmer für die Eltern und ein zusätzliches Spielzimmer für den Nachwuchs. Schon wenige Monate später zieht die Familie in ihr Traumhaus ein, fünf Jahre später bauen sie das Dachgeschoss aus. Ein Märchen? Nein: Eine Mustergeschichte, die sich im Deutschen Fertighaus Center Mannheim seit 1970 viele Male so oder so ähnlich abgespielt hat.

Die damals erste Musterhaus-Ausstellung für Fertighäuser in Deutschland ist bis heute eine der größten ihrer Art. Derzeit werden 43 Häuser von 33 Herstellern in einer parkähnlichen Anlage gezeigt. Modern und energiesparend, dabei individuell geplant und ausgebaut – das sind die Fertighäuser im 21. Jahrhundert. Damit ist die Geschichte des Mannheimer Musterdorfs auch eine Geschichte des Fertigbaus in Deutschland.

Ein Bauernhof aus dem Baukasten

Alles beginnt mit einem zweistöckigen Holzhaus mit Garage aus Fertigteilen, das ein polnischer Anbieter 1962 auf dem Mannheimer Maimarkt vorstellt. Es kostet 10.000 Mark und ist ein echter Renner. Günstiger Preis und schnelle Bauzeit lassen potenzielle Bauherren aufhorchen. Ein Jahr später macht ein kompletter Bauernhof in Fertigbauweise Furore: Das Wohnhaus mit Altenteil und Stallscheune soll zeigen, wie rasch ein Vollmontagehof schlüsselfertig zum Preis von 137.000 Mark zu erstellen ist. Der Grundriss beträgt 10 x 20 Meter, die Bauzeit inklusive Inneneinrichtungen nur drei Wochen. Sogar die Fundamente bestehen aus Fertigteilen, die lediglich eingesenkt und verbunden werden müssen. Entwickelt wurde der Vollmontagehof von der Gesellschaft für innere Kolonisation (GFK) gemeinsam mit dem Offenburger Spannbetonwerk Koch. Mit den schnell zu erstellenden Aussiedlerhöfen soll ein wesentlicher Beitrag zur Agrarstrukturverbesserung geleistet werden, da das Bauhandwerk damals nicht in der Lage ist, das rapide wachsende Bauvolumen in der Landwirtschaft zu bewältigen. Der Prototyp auf dem Maimarkt wurde bald darauf in Serie hergestellt.

Wer hat’s erfunden?

Ob Cognac, Mayonnaise oder Fertighäuser: Nicht selten werden große Erfindungen aus dem Mangel geboren. Wenn man schnell und preiswert zu einem Dach über dem Kopf kommen will, bietet es sich einfach an, standardisierte Bauteile zu verwenden, die man vorproduzieren kann und später nur noch zusammensetzen muss. Wer jetzt aber denkt, das Fertighaus sei eine Erfindung der Nachkriegszeit, der irrt: Bereits um das Jahr 1500 entwarf Leonardo da Vinci ein Haus aus Holzteilen, die bereits vor dem Transport zur Baustelle bearbeitet wurden.

Doch auch das italienische Universalgenie war nicht der Erste, der sich im Fertigbau versuchte. Wenn die alten Griechen aus ihren Kolonien heimkehrten, hatten sie nicht selten Wandelemente für ihre Tempel im Gepäck. Die Fachwerkhäuser des 12. Jahrhunderts standen Pate für den noch heute üblichen Holzfertigbau. Norwegische Stabkirchen des 18. Jahrhunderts bestanden aus Fertigteilen, und die schwedischen Blockhäuser konnten abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Das deutsche Militär begann 1870 mit den ersten Fertig-Lazaretten. Die Einwanderer in Amerika bauten sich schon bald Holzhäuser aus vorgefertigten Teilen. Zur Zeit des Goldrauschs um 1900 kam die erste Serienproduktion in Gang, ab etwa 1940 konnte man in den USA Fertighäuser aus dem Katalog bestellen. Erleichtert wurde die industrielle Fertigung durch die in den zwanziger und dreißiger Jahren frisch entwickelte Spanplatte. Zahlreiche Unternehmen entstanden. Noch heute gibt es viele Fertigbau-Unternehmen, deren Tradition auf Zimmerei-Betriebe zurückgeht – nicht selten bis ins 17. oder 18. Jahrhundert.

Ein neues „Stadtviertel“ entsteht

Zurück auf den Maimarkt im Jahr 1963: Der Fertigbau beginnt zu boomen. Rund um den Aussiedlerhof werden Einfamilienhäuser und Bungalows in Fertigbauweise gezeigt. Grundsätzliche Fragen des Fertigbaus wie Fertigbausysteme, Werksverfertigung, Baustoffe, Montage und architektonische Gestaltung erläutert die Sonderschau „Bauen mit Fertigteilen“ der Studiengemeinschaft „Fertigbau“ im Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW). Dicke Auftragsbücher bei den drei Fertighaus-Ausstellern des Maimarkts 1963 legen den Gedanken an eine ständige Fertighaus-Ausstellung nahe. Auf dem Maimarkt 1965 beleuchtet eine Lehrschau des Zimmererhandwerks die Aspekte des Holzfertigbaus von anderer Seite. In diesem Jahr fällt der Entschluss, in Zukunft die Fertighäuser auch nach Ende des Maimarkts stehen zu lassen, um sie ganzjährig Interessenten zugänglich zu machen.

In den sechziger Jahren sind es vor allem Wochenend- und Ferienhäuser, die nun dank der Fertigbauweise für viele erschwinglich werden. 1966 entsteht im Ostteil des Maimarktgeländes am Friedensplatz ein „Wohnviertel“ in Fertigbauweise. Bald reicht das Angebot von der Fertigbau-Garage bis zum 230 Quadratmeter großen Wohnhaus.

1966 sind es bereits 12 Fertighäuser und 20 Wochenend- und Ferienhäuser. Die Fertighaus-Ausstellung wächst kontinuierlich. 1970 gibt die Stadt Mannheim grünes Licht zur Erweiterung der Ausstellungsfläche: Das Deutsche Fertighaus Center Mannheim ist geboren. Am 10. April 1975 wird das Deutsche Fertighaus Center Mannheim nun auch offiziell eröffnet. Auf 30.000 m2 Fläche präsentieren 23 Hersteller 34 Ein- und Zweifamilienhäuser. Weitere 22 Aussteller zeigen rund 30 Wochenend- und Ferienhäuser, 8 Mobilheime, Schwimmbäder und -hallen, Fertigkeller und -garagen sowie Gartenzubehör. Der Gebäudewert wird mit 10 Millionen Mark beziffert. Bis heute rangiert das Deutsche Fertighaus Center Mannheim in der Spitzengruppe der ersten, größten und erfolgreichsten Fertighaus-Ausstellungen in Deutschland.
 

Schaufenster für aktuelle Bau-Trends

Unmittelbar nach dem Maimarkt 1984 beginnt der Umzug auf das neue Maimarktgelände auf dem Mühlfeld in Mannheim-Neuostheim. Besonderer Wert wird hier auf das gesamte äußere Erscheinungsbild des Fertighaus Centers gelegt: Die Häuser werden großzügig um eine Grünfläche herum angeordnet, die Gärten von Landschaftsarchitekten entworfen. An die Spanplatten-Ära der Anfangszeit erinnert heute nichts mehr. Fertighausteile werden heute in Blockhaus- oder in Verbundschaltechnik, aus Hartschaum-Schalungssteinen oder aus leichtem Porenbeton gefertigt. Manche Hersteller sind stolz darauf, keine zwei identischen Häuser errichtet zu haben – so individuell sind Fertighäuser mittlerweile. Auch in Sachen Wertbeständigkeit sind die Fertighäuser „erwachsen“ geworden: Banken betrachten sie ebenso als Wertanlage wie Häuser in konventioneller Bauweise. Kontrolliert werden industrielle Fertigung und fachgerechte Erstellung von Interessengemeinschaften wie zum Beispiel der Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau (QDF).

Im Deutschen Fertighaus Center Mannheim werden jährlich Häuser ausgetauscht, renoviert oder umgebaut. Dabei spielen die Bedürfnisse der Verbraucher eine wesentliche Rolle. Im Trend lagen zeitweise Bungalows, Einliegerwohnungen zur steuerlichen Erleichterung oder Ausbauhäuser, dann architektonische Besonderheiten wie Wintergärten, Erker und Gauben. Sonderausstattungen wie barrierefreies Wohnen, offene Wohn-Ess-Bereiche und bodentiefe Fenster wurden im Fertigbau rasch zum Standard. Alle Fertighäuser sind Energiesparhäuser.

Vor allem aufgrund der Energie sparenden Bauweise und ihrer überaus wandelbaren Grundrisskonstruktionen sind Fertighäuser nach wie vor beliebt. Ihr Marktanteil beträgt in Deutschland etwa 13 Prozent, im gesamten deutschsprachigen Raum rund 25 Prozent. Mit der Ausweitung des Fertigbaugeschäfts auf Energieberatung, Finanzierung und Grundstücks-Service haben sich im Deutschen Fertighaus Center leistungsstarke Rundum-Dienstleister etabliert. Zielgruppen sind neben jungen Familien auch Seniorenpaare, die ihrem Lebensabend ein bequemes und pflegeleichtes Zuhause geben wollen.

Häuslebauer von weit her

Das Deutsche Fertighaus Center Mannheim zieht jährlich mehr als 100.000 Besucher an. Damit liegt es in der Besucherstatistik des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) seit Jahren in der Spitzengruppe der Musterhaus-Ausstellungen in Deutschland. 39 % der DFC-Besucher kommen nach einer Umfrage von 2009 aus dem Umkreis von 25 Kilometern. 30 % reisen bis zu 50 Kilometer an, weitere 26 % bis 100 Kilometer. 5 % der Besucher kommen von noch entfernteren Orten aus Südbaden, dem Rheinland und aus dem Saarland. Wer kommt, der kommt auch wieder: 65 % der Befragten waren schon einmal im DFC. 64 % haben fest vor zu bauen, ein Viertel davon hat sich bereits entschieden, dass es ein Fertighaus werden soll. Aufsehen erregte 1977 ein Vertrag mit Jordanien: Der Minister für öffentliche Bauten Said Beano (Bildmitte) orderte nach einem Rundgang durch das DFC zahlreiche Fertighausteile und Montageeinheiten für Schulen, Wohnhäuser und öffentliche Bauten im Wert von 80 Millionen DM.